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Vaterleiden

Diese Kurzgeschichte spielt zur Zeit direkt vor dem zweiten Buches. Man sollte sie vor diesem lesen, denn sie erklärt, warum gewisse Personen so handeln, wie sie es tun.



Er hatte immer geglaubt, er wüßte, was körperlicher Schmerz bedeutete. Doch in den letzten zwei Tagen war er eines besseren belehrt worden.
Eigenartigerweise war sein Verstand völlig klar. Er hatte alles, was diese Monster mit ihm angestellt hatten, genau verfolgen können. Anfangs hatte er sich vor dem Tod gefürchtet, doch mittlerweile sehnte er ihn herbei. Er konnte einfach nicht mehr.
Die Qualen, die er durchlitt, waren unvorstellbar. Das einzige, was dagegen half, war, wenn er sich in die Erinnerungen flüchtete. Das war alles, was ihm blieb. Am deutlichsten waren die Erinnerungen an jene Ereignisse, die ihn in die gegenwärtige, schlimme Lage brachten.

*

Es war ein ganz gewöhnlicher Tag gewesen, damals vor so vielen Wochen. Der Abend kam, und er rief nach seiner Tochter Lelle. Sie war sein einziges Kind und der ganze Stolz ihrer Eltern. Langsam wurde es dunkel, und er mochte es nicht, wenn seine Tochter bei Anbruch der Dunkelheit noch draußen spielte.
„Lelle, hast Du nicht gehört, daß wir Dich gerufen haben?" fragte er und versuchte, einen strengen Blick aufzusetzen. Das junge Mädchen hielt einen großen Strauß Blumen in der Hand. „Ich mußte doch noch die ganzen Blumen zusammen nehmen." erwiderte sie und sah ihn mit einer Unschuldsmiene an, die sein Herz zum Erweichen brachte. Er konnte seiner Tochter einfach nicht böse sein. Sie war gerade erst elf Jahre alt geworden, doch man konnte schon jetzt erkennen, daß sie mit ihrem langen schwarzen Haar zu einer außergewöhnlich schönen Frau heranwachsen würde.

„Komm jetzt herein. Das Essen steht schon auf dem Tisch." - „Ja, Vater." Dorcham hatte seine Schusterwerkstatt abgeschlossen und blickte seiner Tochter versonnen nach. Er hätte gerne noch weitere Kinder gehabt, aber die Götter waren aus irgendeinem Grund dagegen gewesen.
Sie hatten sich gerade am Tisch versammelt, und Dorchams Frau Lillith wollte schon das Abendgebet an Lund richten, als es heftig an der Haustür pochte. Lillith sah ihren Mann verwundert an, doch der hob nur unwissend die Schultern. „Möchte wissen, wer so spät noch etwas von uns will." brummte er und stand auf. Dorcham war ein großer und kräftiger Mann Ende dreißig und es gab recht wenig, was ihn beunruhigen würde. Als er nun jedoch die Tür öffnete, wurde er bleich vor Schrecken.
Im verblassenden Licht des Tages, kaum mehr erkennbar, stand die düstere Gestalt eines Finders, umgeben von einem halben Dutzend Weißer. „Herrin" begann er völlig verwirrt. „Wie kann ich Euch helfen?" Schwerfällig ließ er sich auf die Knie sinken. „Bist Du der Schuster Dorcham?" fragte sie. Ihre Stimme war scharf und sehr bestimmt, doch Dorcham konnte sich nicht vorstellen, was ein Finder von ihm wollen mochte.
„Ja, Herrin." antwortete er. „Verzeiht, bitte tretet doch ein in mein bescheidenes Heim." Er trat zur Seite und wies nach innen. Lillith war aufgesprungen und hatte sich beschützend neben Lelle gestellt, die nun die Hand ihrer Mutter fest umklammert hielt.
Der Finder trat ein und die Weißen folgten ihr. Das Haus schien fast zu klein, um diese Menge von Leuten zu fassen. Der Finder wandte sich wieder an Dorcham. „Man hat mir berichtet, daß Du eine intelligente und hübsche Tochter hast." - „Das ist richtig, Herrin." erwiderte er und machte instinktiv einen halben Schritt auf seine Tochter zu, so als wolle er sich zwischen den Finder und seine Tochter stellen.

Ein Lächeln umspielte die vollen Lippen des Finders. „Ihr braucht Euch nicht zu fürchten." versicherte sie. „Dies ist ein Tag der Freude für Euch." Dorcham und Lillith warfen sich einen raschen, unbehaglichen Blick zu. „Ich bin gekommen, um Eure Tochter mit zu uns zu nehmen. Das ist eine große Ehre für Euch." - „Nein!" rief Lillith unwillkürlich und stellte sich beschützend vor ihre Tochter.
„Ihr wollte mir doch nicht verweigern, was mir von Rechts wegen zusteht, oder?" Sie hatte dies mit einer äußerst liebevollen Stimme gesagt, doch die Drohung lag unüberhörbar im Raum, falls sie versuchen sollten, sich weiter zu sträuben. Die Weißen strafften sich kaum merklich. Der vorderste von ihnen, legte demonstrativ seine gepanzerte Faust auf den Schwertgriff.
Dorcham war wie betäubt. Natürlich mußte er dem Finder gehorchen, aber sie war doch sein einziges Kind. Er sah in die furchteinflößenden Fratzen der Weißen. Dann schaute er den Finder an. Er wußte, es hatte keinen Zweck, den Finder anzuflehen. Und es war nur zu deutlich, was passieren würde, sollten sie sich zu weigern versuchen.
Ganz langsam ging er auf Lelle zu, die mit vor Angst aufgerissenen Augen auf die Fremden starrte. Er kniete sich vor ihr hin und umarmte sie. „Vater, ich will nicht gehen!" - „Ich weiß." Er konnte kaum sprechen, seine Kehle war wie zugeschnürt. Vorsichtig löste er ihre Hände von seinem Hals. Er warf seiner Frau einen warnenden Blick zu, dann schob er Lelle in Richtung des Finders.
Eine lederbedeckte Hand streckte sich aus, umfaßte Lelles Genick und zog sie dicht an den Finder heran. „Hab keine Angst, mein Kind. Es wird Dir bei uns gefallen." - „Vater! Mutter! Laßt mich nicht allein!" schrie sie, und Tränen rollten ihre Wangen herunter. Sie versuchte, sich aus dem Griff des Finders zu befreien, doch die Frau hielt sie unbarmherzig fest.
„Ich danke Euch für eure freundliche Mitarbeit. Und noch einen schönen Abend." Damit wandte sich die Frau um und zerrte die schreiende und weinende Lelle mit sich. Die Tür schloß sich mit einem lauten Krachen. Lillith brach mit einem Weinkrampf zusammen, während Dorcham unbeweglich auf die geschlossene Tür sah.

*

„Du bist wirklich ein zäher Brocken." erklärte die Frau. „Mal sehen, wie Dir das gefällt." Damit setzte sie das Messer, das sie in der Hand gehalten hatte, auf seinem Schulterblatt an, und mit leichtem Druck zog sie eine weitere blutige Spur bis zu seiner Hüfte. Das Messer war in irgendeinen Saft getaucht worden, der die Schnitte noch lange Zeit wie Feuer brennen ließ. Er versuchte zu schreien, doch seine Stimme war schon lange heiser. Er brachte nur noch ein schwaches Krächzen heraus.
Seine Gedanken wanderten wieder zurück.

*

Er hatte es eigentlich nicht anders erwartet, doch er wollte es wenigstens versucht haben. Es war sowieso schon sehr überraschend, daß ihn der Ritter überhaupt angehört hatte. Doch weiter wollte oder konnte der Ritter nicht gehen. Er hörte sich Dorchams Geschichte an, versuchte ihn halbherzig davon zu überzeugen, welche Ehre seiner Tochter mit dieser Wahl beschieden sei, doch er schien selbst nicht so richtig daran zu glauben.
Die Finder unterstanden nur den Grauen Fürsten. Er hatte überhaupt keinen Einfluß auf die Finder, und er werde sich hüten, sich in deren Arbeit zu mischen. Er verstand Dorchams Trauer, doch er gab diesem deutlich zu verstehen, daß er nichts unternehmen würde.

Noch als er auf der Zugbrücke die Burg des Ritters verließ, faßte er einen neuen, kaum weniger verzweifelten Plan. Es war nicht das erste Mal, daß die Finder Mädchen aus ihrem Dorf ‘erwählt’ hatten, und nun begann Dorcham, systematisch die Eltern solcher Mädchen aufzusuchen.
Zunächst zeigten die sich meist sehr verschlossen, wollten allein sein in ihrer Trauer und nicht mehr an die Ereignisse erinnert werden. Doch schließlich fand er Zugang zu ihnen, und sie erzählten ihm immer wieder die gleiche, ergreifende Geschichte, die auch er am eigenen Leib erfahren hatte. Die Menschen schienen am Ende froh zu sein, endlich jemanden gefunden zu haben, der ihnen zuhörte, den sie ihr Leid klagen konnten. Und dann erklärte er ihnen seinen Plan. Zwar zögerten sie erst, doch er legte soviel Überzeugungskraft in seine Stimme, daß sie ihm zuhörten und schließlich folgten. Denn so sah sein Plan aus: er wollte mit allen Betroffenen bis nach Lhachal zum Zentrum der Finder ziehen und ihre Kinder wieder herausfordern. Wenn sie genügend Menschen waren, konnten sich die Finder ihnen nicht einfach verschließen.
Und sein Plan schien zu gelingen. Immer mehr trauernde Eltern schlossen sich ihm an. Häufig gesellten sich auch noch weitere Verwandte zu ihnen, so daß die Schar bald an die Hundert Menschen zählte. Und je mehr sie wuchsen, um so leichter wurde es, Unterstützung zu finden und weitere Betroffene zu überzeugen.

Dorcham war vom Gelingen seines Plans überzeugt. Je mehr sie sich der Insel der Finder näherten, um so öfter trafen sie auf betroffene Familien. Aber auch die Angst der Leute nahm stetig zu, und so benötigten sie große Überzeugungskraft, um die verängstigten Menschen zur Mithilfe zu überreden.
Nur ganz wenige Eltern hatten nichts dagegen einzuwenden, daß die Finder ihre Mädchen mitgenommen hatten. Doch dies waren meist sehr arme und besonders kinderreiche Familien, die ohnehin Schwierigkeiten gehabt hätten, alle Kinder durchzubringen.

*

Ein neuerlicher, grausamer Schmerz riß in zurück in die Gegenwart. Der Finder hatte ihm einen weiteren Schnitt in spitzem Winkel zu dem ersten zugefügt und begann, ihm ein Stück Haut abzuziehen. „Gefällt Dir das besser?" hauchte ihm eine Stimme höhnisch ins Ohr. Schwächlich zuckte er in seinen Fesseln, hilflos der Folter des Finders ausgeliefert.

*

Vier Wochen nachdem er seine ersten Anhänger gewonnen hatte, erreichte Dorcham mit seinem Gefolge die große Brücke, die die Insel Lhachal mit dem Kontinent Axannawhyg verband.
Jetzt würde es ernst werden, dachte er bei sich und schaute noch einmal auf die Gruppe der Menschen, die seinem Ruf gefolgt waren. Über dreihundert Männer und Frauen scharten sich hinter ihm. Er bedauerte, daß Lillith nicht mitgekommen war. Sie hielt nichts von dem Plan, hatte alles versucht, ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Und als ihr Mann sie verließ, war sie sich sicher, ihn niemals wieder zu sehen.
Es war bemerkenswert, daß die Finder bisher nicht versucht hatten, sie aufzuhalten. Jetzt war es zu spät. Sie waren schon viel zu viele. „Folgt mir!" rief er den anderen zu. „Jetzt holen wir unsere Kinder heim!" Die anderen bestätigten seine Ansprache, indem sie mit ihren provisorischen Waffen auf den Boden trommelten. Dorcham war sich nicht sicher, ob die Finder freiwillig die Mädchen herausgaben. Es war besser, wenn man etwas in der Hand hatte, womit man sich wehren konnte, wenn es sein mußte.

Die Brücke war über zwei Kilometer lang. Sie hatten den ersten Kilometer noch nicht ganz zurückgelegt, als sich ihnen eine kleine Gruppe näherte. Ein Reiter war dabei, ganz in schwarz gekleidet. Ein Finder, dachte Dorcham voller Ingrimm. Die Frau wurde von mehreren Fußsoldaten begleitet, die ebenfalls das Zeichen der Finder auf der Brust trugen. Aber es waren keine Weißen.
„Was wollt Ihr hier?" rief der Finder ihnen zu. Die Feindseligkeit war deutlich zu hören. Dorcham atmete tief durch, versuchte, die anerzogene Angst vor den Findern zu überspielen.
„Wir wollen unsere Kinder zurück. Ihr habt kein Recht sie uns wegzunehmen." erklärte Dorcham mit fester Stimme.
„Schert Euch zurück, wo Ihr hergekommen seid. Ihr habt hier nichts verloren!" Der Finder wendete sein Pferd, so als wolle sie Dorcham wie ein unmündiges Kind einfach stehen lassen. Der grenzenlose Zorn gab ihm neuen Mut. „Gebt mir meine Lelle zurück, oder ich werde sie mir holen." Damit hob er drohend die improvisierte Keule.
Die Soldaten wollten schon vorrücken, doch der Finder hielt sie noch zurück. „Du bist also der Anführer dieser Bande." sagte sie zu ihm mit ruhiger Stimme. „Wenn Du wirklich so mutig bist, dann komm her, und hole sie Dir." Damit sprang sie von ihrem Pferd.
Dorcham stieß einen verzweifelten Schrei aus und warf sich auf den Finder, die Keule wild über seinem Kopf kreisen lassend. Der Finder duckte sich elegant unter dem Knüppel hinweg und rammte ihm ihr Knie in den Magen. Dorcham brach in die Knie. Der Finder faltete die Hände und landete einen wuchtigen Hieb in Dorchams Genick.

Bevor er sich auch nur einigermaßen wieder sammeln konnte, war sie über ihm, stellte ihm einen Fuß in den Rücken und riß seinen Kopf an den Haaren nach oben. „So, jetzt sollst Du sehen, was Du angerichtet hast!" sagte sie und gab den Soldaten ein Zeichen.
„Tötet sie, ohne Ausnahme." Die Stimme des Finders zeigte keine Spur einer Regung. „Und schickt sie in Einzelteilen in ihre Dörfer zurück als Warnung." Die Menge wich angstvoll zurück, als sie ihren Anführer hilflos am Boden liegen sah. Sie schienen bereit zur Flucht, doch dann erhob sich vom anderen Ende der Menge ein Geschrei. Soldaten verwehrten ihnen den Rückweg zum Festland. Sie waren gefangen.
Die Soldaten hoben ihre Schwerter. Es waren höchstens zwanzig auf der Seite, die Dorcham sah, doch alles kampferprobte Söldner. Die Dörfler hatten nicht die Spur einer Chance. Der Finder zwang ihn, sich das Gemetzel genau anzusehen und achtete sehr genau darauf, daß er keine Einzelheit verpaßte. In diesem Moment zerbrach etwas in ihm. Als keiner der Dorfbewohner mehr stand, schlug ihn der Finder gegen die Schläfe und schickte ihn ins Reich der Träume.

*

Seine Situation hatte sich seit dem Niederschlag nicht mehr geändert. Er erwachte gefesselt, an den Händen hängend in irgend einem Verließ der Finder. Im Augenblick war er allein, und er genoß regelrecht den Moment der Ruhe. Seine Handgelenke spürte er schon lange nicht mehr, und sein ganzer Körper war eine einzige, pochende Wunde.
Trotzdem machte sein Herz einen Satz, als der Finder wieder den Raum betrat. Sie hatte ihre Maske abgelegt, und ihn blickte ein hübsches, junges Gesicht, abschätzend an. Er wußte, dies konnte nur eines bedeuten. Er würde auf keinen Fall diesen Ort lebend verlassen.

„Ah, Du bist wieder wach." sagte sie. „Das ist gut. Ich habe nämlich einen Besucher für Dich. Komm herein." Sie winkte in Richtung Tür. Mühsam drehte Dorcham seinen Kopf. Er konnte nur sehr schlecht sehen, doch es mußte ein junges Mädchen sein, das da schüchtern in der Tür stand.
„Komm herein!" befahl der Finder, und das Mädchen gehorchte. Sie hob ihre Augen und sah ihn an. Für einen Moment wurden ihre Augen groß, dann machte sie einen Satz vorwärts. „Vater!" schrie sie. Oh nein, nur nicht das! Er versuchte zu antworten, doch seine Kehle war zu rauh. Sie hatten Lelle zu ihm gebracht. Warum taten sie ihr das an? Er konnte nicht mehr, warum töteten sie ihn nicht endlich?
„Willst Du sie nicht begrüßen?" fragte der Finder höhnisch und schlug mit der flachen Hand auf den wunden Rücken. Ein Stöhnen entrang sich seiner Kehle. Lelle umschlang ihren Vater vorsichtig, aber ohne auf das viele Blut zu achten, das ihre graue Kleidung beschmutzte. „Oh, Vater!"
„Dein Vater hat sich gegen uns auf schlimmste Weise vergangen." erklärte der Finder Lelle. „Dafür kann es nur eine Strafe geben. Den Tod." Das Mädchen wurde kreidebleich. Der Finder nahm ein scharf aussehendes Messer in die Hand. „Allerdings liegt es bei Dir, mein Kind, ob er einen schnellen, gnädigen Tod bekommt, oder ob er noch viele Tage leiden soll, während seine Tochter ihm dabei zusieht." Damit reichte sie ihr das Messer.
Lelle starrte das Messer in ihrer Hand an, sie wußte nicht, was der Finder von ihr wollte. „Es ist ganz einfach." erklärte die Frau. „Du mußt das Messer nur genau hier bis zum Heft hineinstoßen." Sie deutete auf die Stelle der Brust, wo das Herz verborgen war. „Nein!" schrie Lelle und ließ das Messer fallen. „Tue ... es." Dorchams Stimme war kaum mehr als ein Röcheln, doch Lelle hatte ihren Vater gehört. „Bit.. te... tue... es." Eine einzelne Träne lief über seine Wange und hinterließ eine blutverschmierte Spur. „Ich kann nicht! Ich kann nicht!" Sie sank zu den Füßen ihres Vaters zusammen. Das Messer lag direkt neben ihr. Lage Zeit betrachtete sie das glänzende Metall. Sie sah hinauf zu ihrem Vater, der ihr kaum wahrnehmbar zunickte.

Wie betäubt nahm sie das Messer in die Hand und richtete sich wieder auf. Der Finder lächelte. „Siehst Du? Genau hier." Sie nahm Lelles Hände und führte die Messerspitze an den richtigen Punkt. „Und jetzt: stoße zu!" Dorcham schloß die Augen. „Vergib mir, Vater." sagte sie mit tränenerstickter Stimme und wollte zustechen, doch ihre Arme gehorchten nicht. Der Finder stieß das Mädchen von hinten an, und die scharfe Schneide schob sich fast ohne Widerstand in das Fleisch. Blut spritzte Lelle entgegen. Mit einem Aufschrei fiel sie zu Boden. Dorchams letzter Atemzug entwich mit einem leisen Zischen. Schluchzend brach das Mädchen zusammen.
Der Finder lächelte zufrieden und zog die Klinge wieder heraus. „Das hast Du sehr gut gemacht, Leyla. Aus Dir wird bestimmt noch einmal ein großer Finder."